aus dem Starnberger Merkur vom 3. Januar 2019

„Warum fragt man nicht auch uns?“

Inning – Es vergehe kaum ein Tag, an dem in den Räumen der Nachbarschaftshilfe Inning (NBH) nicht ein Asylbewerber stehe und um Hilfe bitte, sagt Sabina Eisenmann. Unterm Dach der Nachbarschaftshilfe ist der Helferkreis Asyl zu Hause, in dem auch die Inningerin aktiv mitwirkt. Und manchmal, so komme es ihr vor, träten sie und die Mithelfer auf der Stelle. „Vor drei Jahren hatten wir 80 bis 90 Helfer.“ Geblieben sind knapp 20 Freiwillige. Neue Unterstützer, vor allem Paten, wären gern gesehen.

Wenn Asylbewerber etwa vom Jobcenter in Starnberg wieder zurückgeschickt werden, weil sie das drei bis sechsseitige Dokument nicht korrekt ausgefüllt haben, dann stünden sie bei Sabina Eisenmann im Büro. Oder weil Unterlagen fehlen, sagt die Geschäftsleiterin und seufzt. Das können Bankauszüge sein, die sie abgeben müssen, aber nicht mehr finden. Und das sperrige Beamtendeutsch auf den Anträgen bereite selbst Deutschsprachigen Probleme, beklagt sie. Wenn aber die Anträge falsch ausgefüllt seien und Dokumente fehlten, gäbe es keine Leistung. „Weil sie kein Geld haben, fahren sie schwarz, werden erwischt und müssen 60 Euro bezahlen.“ Ein Teufelskreis. „Viele sind bereits hoch verschuldet.“

In Inning würden Asylbewerber von der Nachbarschaftshilfe unterstützt, oft werde auch mit Geld ausgeholfen. „Das alles kann der Helferkreis aber langsam nicht mehr leisten“, so die Geschäftsleiterin der Nachbarschaftshilfe, die sich mehr Entgegenkommen von den Ämtern und aus Berlin wünschen würde. In seiner Weihnachtsansprache hat der Bundespräsident aufgerufen, mehr miteinander zu reden. Sabina Eisenmann wünschte sich das sehr. „Aber mit uns redet keiner“, bedauert sie. In Berlin lege man keinen Wert auf die Erfahrung vor Ort. Dabei kennten die Helfer die Nöte der Asylbewerber, ihre Probleme, aber auch Motivation und Integrationswille am besten. Mehr Kommunikation, das wäre ihr Wunsch.

Seit drei Jahren begleitet der Helferkreis Asyl die rund 80 Schutzsuchenden aus zehn Ländern in den Wohncontainern. Drei hätten eine Arbeit. Dem Team „Sprache“ gehören zehn Ehrenamtliche an und zehn Paten kümmern sich um Schutzsuchende. „Viele haben ihr Ehrenamt aber niedergelegt, wenn zum Beispiel ihr Schützling anerkannt wurde und auszog, oder wenn der Frust überhand nahm“, bedauert Sabina Eisenmann. Wenn zum Beispiel Arbeitswilligen von einem Tag auf den anderen die Arbeitsgenehmigung entzogen worden sei. Aber auch wenn die Asylbewerber nicht den „in sie gesetzten Erwartungen“ entsprächen. Neue Helfer zu finden, gestalte sich mehr als schwierig.

Mittlerweile konzentriert sich der Helferkreis auf die Unterstützung der Kinder und Jugendlichen. Sie erhalten Nachhilfe oder Deutschunterricht. Dankbar ist Eisenmann für die Arbeit von Ute Hörri, der so genannten geringfügig Beschäftigten in der Gemeinde. „Sie kümmert sich um alles, das anfällt und genießt bei den Flüchtlingen großen Respekt.“ Sie sei Ansprechpartnerin bei Problemen aller Art, beim Übersetzen oder wenn Papiere fehlten. Aber auch ihre Kapazität sei begrenzt. Darum werde händeringend nach einen Juristen gesucht, der ehrenamtlich einspringe, wenn es ums Ausfüllen der Formulare gehe. Allen Widerständen zum Trotz: 2019 arbeitet der Helferkreis weiter. Für die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen bittet die NBH um Spenden. Mehr unter www.nachbarschaftshilfe-inning.de.

Quellenangabe: Starnberger Merkur vom 03.01.2019, Seite 32

Anja Wagatha